Wer gute Bildung will, kommt an uns nicht vorbei

Zum Weltlehrer*innentag 2021

Zum Weltlehrer*inntag danken wir allen Kolleg*innen für ihren Einsatz und erinnern die Politik an ihre Pflichten: Lehrkräfte sind keine Mangelverwalter*innen, deshalb muss NRW mehr in Bildung investieren!
Wer gute Bildung will, kommt an uns nicht vorbei

Foto: Alena Wischolek

Heute am 5. Oktober ist Weltlehrer*innentag – 2021 unter dem Motto „Teachers at the heart of education recovery”. Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei und das Bildungssystem erholt sich nur nach und nach. So wie Lehrer*innen in den vergangenen eineinhalb Jahren bis über ihre Belastungsgrenze hinaus systemrelevante Arbeit geleistet haben, werden sie umso mehr gebraucht, wenn sich der Alltag in den Schulen langsam normalisiert.

Der Weltlehrer*innentag ist deshalb Anlass, um auf die Situation in den Schulen zu blicken: Marode Gebäude werden nicht saniert, neue notwendige Gebäude nicht gebaut. Der Sanierungsstau in NRW beträgt mittlerweile 10 Milliarden Euro. Unzureichende Ausstattung, immer mehr Aufgaben bei chronischem Lehrkräftemangel – die Liste ließe sich fortsetzen. Fakt ist: Das, was die Beschäftigten aller Bildungseinrichtungen in unserem Land eint, sind die ungünstigen Arbeitsbedingungen und die qualitativ und quantitativ gestiegenen Ansprüche in oft arbeitsunwürdiger Umgebung. Lehrer*innen werden so zu Mangelverwalter*innen und der Beruf immer weniger attraktiv.

Deshalb danke ich allen, die sich trotz dieser widrigen Umstände Tag für Tag für beste Bildung einsetzen und für die Lebenschancen junger Menschen kämpfen. Viele Kolleg*innen haben sich in den letzten Wochen für unsere Kampagne „#IhrFehlt für gute Schule“ engagiert. Mit Aktionen vor Ort und in den sozialen Medien haben wir zusammen deutlich gemacht, dass 4.000 nicht besetzte Stellen an Schulen ein unhaltbarer Zustand sind!

Die Beschäftigten erhalten nicht die Ressourcen und Infrastruktur, die notwendig sind – so können sie nicht bestmöglich ihrem Erziehungs- und Bildungsauftrag nachkommen. In einer immer komplexer werdenden Welt müssen Kenntnisse zu demokratisch-liberalen Grundrechten und demokratische Kompetenzen vermittelt werden. Dazu sind Kitas, Schulen und Hochschulen entsprechend auszustatten. Bildung muss endlich als Befähigung zu Demokratie und Frieden verstanden und so wertgeschätzt werden. 

Politik muss ihre Verantwortung wahrnehmen und in Bildung investieren. Eine echte Trendwende bei der Bildungsfinanzierung ist notwendig. Wir brauchen mehr grundständig ausgebildete Lehrer*innen, mehr Zeit für die individuelle Förderung, mehr Zeit für die Beziehungsarbeit, Befreiung von Verwaltungsaufgaben und die Konzentration auf die tatsächliche Lehraufgabe.

Seit Jahren ist NRW im Vergleich der Bundesländer bei den Bildungsinvestitionen auf dem letzten Platz. Zeit, dass sich hier wirklich etwas bewegt! Die Landesregierung kann noch den Pfad für faire Bezahlung ebnen: A13 Z/EG 13 im Einstiegsamt für alle wurde 2017 versprochen – das Versprechen jährt sich nun zum vierten Mal. Es wird Zeit, das Versprechen einzulösen! Der Lehrer*innenberuf muss attraktiver werden. Allein auf das aufopfernde Engagement der Beschäftigten zu bauen, ist keine Grundlage für gute Politik. 

Bald beginnt die Tarifrunde. Jetzt gilt es: Wollen sich die Arbeitgeber*innen einen schlanken Fuß machen? Oder gibt es Anerkennung für den unermüdlichen Einsatz in den Wirren der Pandemie? Beste Bildung gibt es nur mit besten Bedingungen! Diese fordern wir ein! Das bedeutet auch, die Abschaffung der prekären Beschäftigungsverhältnisse im Bildungswesen, besonders an der Hochschule, im Erwachsenen- und Weiterbildungssektor.

Für echte Anerkennung kämpfen wir solidarisch in der Tarifrunde. Unter dem Hashtag #DASGEWINNENWIR machen wir deutlich: Wer gute Bildung will, kommt an uns nicht vorbei. Wir lassen nicht locker! 

Solidarische Grüße
Ayla Çelik, Vorsitzende der GEW NRW